Freitag, 2. Dezember 2011

Es wurde Nacht und ich tauchte in die Sterne


papa,
zum ersten mal spreche ich mit dir
nach deinem tod
musste ich so tapfer sein
für meine mutter
sie litt und leidet noch unter deinem Weggehen
nach sechzig jahren ehe fühlte sie sich entzweit
zweigeteilt
sie konnte deinen fortgang nicht akzeptieren
und trauert noch
im moment deiner todesstunde konnte ich dich loslassen
ich,die ich das loslassen nicht kenne und heute
dafür üben muss
dein leiden mit anzusehen war schlimmer
als dich ziehen zu lassen
wir beide waren uns immer einig,
dass nachher nichts kommt.
du wolltest noch am leben festhalten
du wusstest,dass mutter so leiden würde,
dich so vermissen würde.
du hast um jede minute gekämpft
kurz vor deinem tod fragtest du,wie viele tage sind es noch bis weihnachten?
noch sechs wochen
das ist aber noch lange
ja,da wusste ich,dass du vorher gehen musstest.
wann muss ich sterben,weißt du das? war eine deiner nächsten fragen
nein,das weiß nur gott

damals glaubte ich noch an ihn,
es half auch nicht.
am 7.Dezember war es dann soweit.
du fehlst an jeder ecke,
du warst mein berater
mein unterstützer ,mein selbstbewußtseinsstärker
in heiklen situationen denke ich oft,
was würde mein vater sagen.
du hast dich in all den vergangenen Jahren nicht gemeldet
wenn es ein jenseits gäbe,hättest du dich gemeldet,ich weiß es.
nun bin ich ganz sicher,dass mit dem tod alles zu ende geht.
wir werden immer miteinander verbunden bleiben,
dein satz als ich über deinen kommenden tod sehr traurig wurde,klingt mir noch immer im ohr
ja,die gene halten unser band für immer,bis ich selber sterbe
hast du angst vor dem tod?nein absolut nicht.ich habe mein leben gelebt,ich habe keine ziele und wünsche mehr,ich bin zufrieden.
du bist eigentlich in frieden gegangen und doch nicht
du wolltest noch festhalten,unseretwegen
du warst angekommen,am ende,aber noch nicht müde.
du fehlst an jeder ecke
vor allem auch immer gerade dann,wenn es mir so schlecht geht.
wenn du im jenseits wärst, hättest du mir längst mein glück geschickt
und mich nicht so traurig gelassen.
Zwei tage vor deinem tod haben wir zusammen das lied "die gedanken sind frei" gesungen.ein sehr klarer augenblick für uns beide.
vater,du hast mich am ende deines lebens gefragt,ob du ein guter vater gewesen seist.
leider habe ich ausweichend geantwortet.
das weißt du doch.
ich bereue,nicht klar und deutlich ja,papa,das warst du,gesprochen zu haben.
am ende hatte ich mich mit dir versöhnt.dein leiden hat alles wieder gut gemacht.alles.
eine wichtige,deine wichtigste geste war,als du meinen kopf gestreichelt hast,schwerkrank schon,als ich meinen kopf auf dein sterbebett legte.
heute kann ich sagen,papa,du warst der beste papa der welt,genau richtig für mich,ganz genau.
ich hoffe,dass diese gedanken in die große matrix eingehen und du sie noch erhältst.
danke,papa.

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