Tagebuch
1920/1921
Hermann
Hesse
Aber Geduld
ist schwer.
Geduld ist
für den Geist das Schwerste. Es ist das Schwerste und ist das Einzige, was zu
lernen sich lohnt.
Alle Natur,
alles Wachstum, aller Friede, alles Gedeihen und Schöne in der Welt beruht auf
Geduld, braucht Zeit, braucht Stille, braucht Vertrauen, braucht den Glauben an
langfristige Prozesse von viel längerer Dauer als ein einziges Leben dauert,
Glauben an Zusammenhänge und Dinge, die keiner Einsicht eines Einzelnen
zugänglich sind. „Geduld“ sage ich, und könnte ebenso gut sagen Glauben,
Gottvertrauen, Weisheit, Kindlichkeit, Einfalt.
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