Tagebuch
1920/1921 Hermann Hesse
Wie seltsam
lange braucht man, um sich selbst ein klein wenig zu kennen-wie viel länger, um
Ja zu sich zu sagen und in einem überegoistischen Sinne mit sich einverstanden
zu sein!
Wie muss man
doch immer wieder an sich herum machen, mit sich kämpfen, Knoten lösen, Knoten
durchhauen, neue Knoten knüpfen!
Ist man
damit einmal zu Ende, ist einmal die volle Einsicht, die volle Harmonie, das
volle fertige Lächeln und Jasagen da, ist dies Ziel einmal erreicht: dann
lächelt man und stirbt, das ist der Tod, das ist die Erfüllung des Diesmaligen,
der willige Eintritt ins Gestaltlose, um daraus wiedergeboren zu werden.
So weit mag
ich diesen Faden denken.
Das
Nichtmehrgeborenwerden, das echte Nirwana, die Seligkeit des Erreichthabens,
ist mir in ihrem vollen, echten Sinn (nicht in dem einer bloßen Müdigkeit und
Sehnsucht nach Rast) noch niemals ganz erfassbar und vorstellbar geworden…
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